unsere Verantwortung

Hier ein außerordentlich lesenswerter Artikel über Reichtum durch Ausbeutung, unser Finanzsystem also. Der Artikel sensibilisiert den Leser für die eigene Verantwortung als Konsument und besser situierten Menschen in dieser Welt.
Lesenswert ist er weniger aufgrund der Ausdrucksweise oder den teilweise etwas leicht daher geschrieben wirkenden Sätze, sondern weil der Autor Jakob Reimann einen Text verfasst hat, der den für die Verantwortung sensibilisiert, die er als Konsument und besser situierter/privilegierter Mensch in dieser Welt trägt.

„Solange es uns halbwegs gut geht, solidarisieren wir uns nicht aufrichtig mit den Geknechteten dieser Welt.“

Reimann beginnt seinen Artikel (der einen gewissen Sprechtextcharakter aufweist) mit der Feststellung, dass es bis 1960 Menschenzoos in Europa gab. Zoos, in denen Menschen anderer Kulturen aufgrund ihres anderen Aussehens in Wanderausstellungen herum gefahren wurden.
Es ist also nicht lange her, dass Menschen hier offiziell als Ware betrachtet werden durften.

Heute scheint das hier nicht mehr möglich, doch dieses Denken ist ganz offensichtlich auf Europa beschränkt, denn:

„Wir wissen alle, dass Shirts von XY auf dubiose Art und Weise irgendwo in Asien produziert werden oder dass es im Irakkrieg auch irgendwie um Öl geht. Aber wir blenden dabei systematisch die betroffenen Menschen aus“

, so der Autor.

Der Letzte Satz des Zitats dient als Überleitung zum Thema: Wert von Rohstoffen verglichen mit dem von Menschen.

Als Beispiel für die Tatsache, dass Rohstoffe in unserem kapitalistischen Machtsystem wertvoller scheinen als Menschen, führt er einen Satz der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright an. Diese antwortete auf die Frage, ob das Wirtschaftsembargo gegen den Irak in den 90er Jahren den Tod von 500.000 Kindern wert war:

„Ich glaube, es ist den Preis wert.“

(Nachdem der Irak am 2. August 1990 in Kuwait eingefallen war, verhängte der Sicherheitsrat der UN ein nahezu totale Wirtschaftsblockade gegen den Irak, in der Folge des Krieges wurden viele für Infrastruktur wichtige Fabriken, Staudämme und Elektrizitätswerke zerstört und durch das Embargo war ein Wiederaufbau des Landes kaum möglich. Das zivile Leben verschlechterte ich zusehends und in der Folge stieg die Kindersterblichkeit enorm an.)

Anschließend führt der Autor weitere Beispiele an; hauptsächlich solche, die uns als Verbraucher betreffen.
Den Schluss bildet ein Appell an die Gesellschaft, sich der Verantwortung zu stellen, das eigene Verhalten zu ändern und sich der moralischen Schuld bewusst zu werden, die uns belastet, wenn wir es nicht tun.

Damit ist der Text ab dem Abschnitt „Neokolonialismus wird zu Demokratieexport“ besonders lesenswert. Ab hier verdeutlicht Reimann, wie wir Menschen regelmäßig ihre „Würde“ absprechen.
Wie wir anderen Menschen ständig das Recht absprechen, zu leben wie wir es tun, nur aufgrund ihres Geburtsortes.

(Dass dies tatsächlich Rassismus per Definition ist, wage ich zu bezweifeln.)
Nicht anzuzweifeln ist dagegen die Tatsache, dass dieses Handeln genauso menschenverachtend und empathielos ist wie Rassismus!

Artikel: http://diefreiheitsliebe.de/politik/rassismus-als-motor-des-kapitalismus/
Artikel zu den Sanktionen und deren Folgen im Irak-Krieg: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article9783521/Der-vergessene-Krieg-gegen-Iraks-Zivilbevoelkerung.html

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2 Gedanken zu “unsere Verantwortung

  1. Hallo Jan!

    Ich bin anderer Meinung als Jakob Reimann. Ich finde es schlichtweg falsch, die Verantwortung auf die Konsumenten allein abzuwälzen. Konsumenten kaufen das, was in den Regalen steht und natürlich stimmt es, dass sie die Wahl haben, was sie wo und wann einkaufen. Wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
    a) Die Kasse muss stimmen. Gute Ware hat ihren Preis, weil sie rar ist und weil sie eben gut ist, aber selbst, wenn man fairen Handel wirklich unterstützen will, heißt das nicht, dass man das Geld auch hat. Ich finde, es wird in solchen Diskussionen zu häufig außer Acht gelassen, dass es auch im Westen Armut gibt. Wobei man auch nicht arm sein muss, um sich Einkäufe beim bioladen und im Eine-Welt-Laden nicht leisten zu können.
    b) Die Bildung muss da sein. Das Wissen. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder aus purer Ignoranz bei Primark einkaufen geht – denn so banal das Wissen über deren Produktionsbedingungen für viele zu sein scheint, es ist nicht selbstverständlich, dass tatsächlich jeder darüber Bescheid weiß oder sich der Tragweite seines Einkaufes bewusst ist, auch wenn die Information eigentlich da ist.

    Ich glaube, das ist der Knackpunkt: Nicht wir alle sind zu ignorant (wobei das sicherlich auch leider auf einige zutrifft), sondern es wird einfach die Möglichkeit zu Bewusstsein und zum Handeln gemäß dieses Bewusstseins nicht gegeben. Bildung ist der Schlüssel. Ich glaube nicht daran, dass wir einfach schlecht sind, das finde ich ein trauriges Menschenbild (für das ich, nebenbei bemerkt, auch zu viele Gegenbeispiele kenne). Ich glaube, dass an den Stellen, die mächtig sind, zu viele Menschen sitzen, die falsche Entscheidungen treffen, weil sie selbst unzureichendes Bewusstsein haben oder weil sie für den normalen Menschen unerklärlich skrupellos sind. Es müsste in Schulen, in den großen, einflussreichen Medien, in den Unternehmen, in den Parteien und Regierungen mehr Kunde davon gemacht werden, was das alles bedeutet, was man tun kann und die Machthabenden müssten endlich mal Verantwortung übernehmen. Aber solange die großen Konzerne die Entscheidungsträger maßgeblich beeinflussen, wird das nicht geschehen. Politiker müssen Rückgrat beweisen, dafür haben wir sie ja eigentlich auch. Wir hier unten können stupsen und knuffen, aber solange von oben keine großen, flächendeckenden Maßnahmen kommen, werden wir nicht die Welt verändern. Wir brauchen mehr Bildung, ermöglicht durch den Staat (im weitesten Sinne), dann haben wir auch Kraft genug, der Ausbeutung tatsächlich nachhaltig entgegenzuwirken. Man muss sich bewusst sein, wovon man spricht, wenn man fordert, dass wir uns mit den großen Konzernen, die so mächtig sind, anlegen sollen. Solange couragierte Politiker uns nicht den Rücken stärken, anstatt uns aus Feigheit in ihn zu fallen, werden wir immer wenige bleiben. Wir sollten mit mindestens gleicher Kraft für mehr Bildung kämpfen, denn das kann jeder, egal, wie viel Geld er hat.

    Das ist jetzt nur so dahingeschludert und vielleicht nicht ganz rund, aber ich bin offen für jeglichen Widerspruch. Mich kitzelte es einfach so sehr in den Fingern…

    Liebe Grüße aus dem Regen, Lucia

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  2. Liebe Lucia,
    ich gebe dir vollkommen Recht! Es ist die Aufgabe der Regierenden die breite Masse zu einem Wandel im Konsumverhalten zu bewegen. Und zwar wie du sagst, im weitesten Sinne: durch Bildungsreformen und auch durch ihren Einfluss in den öffentlich rechtlichen Medien. Wir tragen aber genauso viel Verantwortung wie die Politiker. Denn diese sollen uns repräsentieren und dafür müssen wir ihnen die Richtung zeigen. Und wir sind nicht Machtlos. Nicht als Masse und vor allem nicht als Konsumenten.
    Damit liegt es an uns den Trend vorzugeben.
    Und das muss nicht jeder tun, aber diejenigen, die es können! Und dazu gehört ein Großteil der westlichen Bevölkerung. Es geht hier nicht nur um kaufen, sondern genauso um recyceln und „second-hand“ nutzen (Kleider/Technik).
    Da sich die Politik bekanntlich nur langsam oder überhaupt nicht bewegt, vor allem wenn es um sehr progressive Ideen geht (dafür sitzen zu viele Konservative im Bundestag) muss mindestens zweigleisig gefahren werden. Wir müssen Veränderungen im Konsumverhalten nicht nur den Politikern mitteilen, sondern auch den großen Firmen (als Konsumenten). Und der Erfolg gibt uns Recht. Berlin ist die Hauptstadt der nachhaltigen Mode (geworden) und ich kenne kein Land in dem so viele Bioprodukte angeboten werden wie in Deutschland.
    Wir können also die Verantwortung nicht von uns weisen, wenn wir etwas verändern wollen. Denn letztlich sind wir als Konsumenten immer die Initiatoren. Die Politik muss solche Bewegungen (sofern sie sinnvoll sind) erkennen und der Masse vermitteln, mit Subventionen und Steuernachlässen, da hast du absolut Recht.
    Solange sie sich nicht bewegt, ist es jedoch unsere Aufgabe zu informieren und zum Handeln zu animieren.
    Wenn wir also etwas verändern wollen liegt es meiner Meinung nach eben doch vor allem an uns, das zu tun. Jeder wie er kann. Und wenn wir nach dem Schneeballsystem arbeiten erscheint es möglich viele zu erreichen, auch genug Politiker irgendwann…

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